Mai 2003

24.05.03 “Wir sind nur zum Feiern hier...”

9 Monate leiden und dann ist plötzlich alles vorbei. Einfach so. Wahrscheinlich ist die Dauer einer Saison mit der einer Schwangerschaft nicht ganz zufällig gewählt. Schmerzhaft kann beides sein.

Und dieser letzte Tag der Saison sollte ein langer werden........... Die Anfahrt nach Bielefeld verzögerte sich, da der Bus auf Grund von drei Demos nicht nach Hannover rein und wieder raus kam.     2 Zwischenstopps um die restlichen Fußballverrückten aufzunehmen und dann geht´s los. Die Stimmung war nie besser. Schliesslich ist das heute das erste Spiel der Saison, andem uns das Ergebnis mal gar nicht interessiert. Denn auf die Alm fahren wir nur noch zum Feiern. Fotos gibt´s unter Groundhopper zu sehen. Letztendlich springt ein 1:0-Sieg dabei heraus, 96 wird noch Elfter, Bielefeld steigt (leider) ab und von uns kann kaum einer noch geradeaus gucken.

Das Traurige an diesem Tag sind aber die letzten Einsätze unsere langjährigen Ikonen: Jörg Sievers (seit 1988 bei den Roten - Pokalheld von 1992 und zweimaliger Aufsteiger mit dem Verein) und Carsten Linke (Fußballgott). Sievers spielt in Bielefeld gerade mal 10 Minuten, was nicht gerade dankbar scheint, da er jahrelang dem Verein die Treue gehalten hat. Hoffen wir alle mal, dass es für beide ein ordentliches Abschiedsspiel gibt! Auch Bobic, Popescu und der ausgeliehene Jaime hatten heute ihren letzten Tag. Wir werden uns also auf eine neue Mannschaft vorbereiten müssen...   Problematische zweite Saison, sag ich mal.

Aber es gibt Leute, die machen sich selber noch zusätzliche Probleme. So geschah es nach dem Spiel, dass ein nicht genannter Herr B. aus H. an der L. nach langer Abstinenz wieder den ersehnten Kontakt mit Alkohol aufgenommen hat und so einen wesentlich größeren Bielefelder im vorbeigehen “ansprach”. Dieser antwortete mit einem Griff an das Basecap des Herrn B. und schmiss es in einen nahegelegenen See. Nahezu hilflos und fast traurig sah der oben Abgebildetete (unteres Foto links) wie sein Mützchen nach und nach unterging. Aber wofür sind Freunde da? Zwei genauso Angetrunkene schmissen ihre Körper in einen Baum (nicht Armin), der über den See rakte und unter Anstrengungen, die nur jemand ab 2,5 Promille nachvollziehen kann, fischten sie das Cap mit einem Stock wieder aus dem Wasser. Was lernen wir? Nichts. Trotzdem hat dieses meine lyrische Ader inspiriert:

Oh Mütze, die im Wasser schwimmt, hätt´ ich nur nichts getrunken. Ich hätte Dich da rausgeholt, bevor Du wärst versunken. Ausgeliehen hatt´ ich Dich, gehörtest nicht mal mir, doch eigentlich ist´s mir egal, drum trink´ ich noch´n Bier.

Anschließend ging es wir nach downtown-Hannover um die seit Stunden laufende Klassenerhaltsparty (Fotos unter hometown) zu besuchen. Gegen 22 Uhr kam die Mannschaft auf den Balkon des am Maschsee gelegenen Hotels und ließ sich feiern. Tausende Teenies und eingefleischte Fans gönnten sich das billige Bier und jubelten denen zu, die es verdient hatten. Jaime, der nur für eine Saison von Deportivo La Coruna ausgeliehen war, wurde am heftigsten gefeiert. Er sprach eine paar Worte auf deutsch und genoß richtig, den heissen Empfang. Bobic gab zu Protokoll, dass er immer an diese Zeit in Hannover zurückdenken wird und er das Publikum liebt. Verdientermaßen bekam Tremmel großen Beifall, was ihn für manch dumme Kommentare der letzten 9 Monate entschädigt haben dürfte.

Alles in Allem war es noch ein nettes Fest und wir waren wohl alle froh endlich ins Bett fallen zu können. Aber es gibt noch zwei Fragen zu klären: 1) Kriegen unsere Ikonen Sievers und Linke wenigstens ihr Abschiedsspiel nach all diesen Jahren der Treue? Und 2) Was machen wir jetzt bis August und wie sollen wir ohne diesen permanenten Druck leben?

Gruß, Gengster.

21.05.2003 Im Kino mit Fredi

Es ist Mittwoch. Der Abendhimmel legt sich in seiner vollen Schönheit über die Stadt und  tausende Inline-Skater rauschen an mir vorbei. Nichtsahnend gehe ich zum alten Cinemaxx. Preview. Matrix reloaded. Ich stehe vor dem quadratischen Bau und warte, dass mein Kumpel aiftaucht. Plötzlich tumultartige Gruppenbildung und irgendwelche Leute zeigen in meine Richtung.

Ich hatte nicht bemerkt, dass ich neben ihm, dem neuen Superstar von Hertha BSC stehe. Fredi Bobic. Jeans, roter Longsleeve und grünes T-Shirt drüber. In der Hand irgendein Lemon-Mix und das übliche Bobic-Lächeln auf den Lippen. Im Schlepptau hat er 2 Jungs (einer sah aus wie Jaime) und ein blondes Mädel. Fredi geht mit mir zeitgleich ins Kino. Was für ein Tag.

Jemand anderes, der ihn entdeckt hat, geht hin und will mit seinen Digitalhandy ein Foto von “Fredi privat” machen. Der sagt nur (mit gezwungenem Lächeln) “Ey, Paparrazzi, oder was!?”. Ein paar Mädels kriegen noch Autogramme und dann geht er hinein. Glaube, der Hype um ihn nervt ihn momentan etwas. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum er Hannover verlässt.

Als ich an der überfüllten Theke stehe um Bierchen zu holen, sehe ich, dass Fredi ins Kino 2. Mein Kino! Da werde ich auch sitzen. Jau! Mit Fredi im selben Kinosaal!  Der Abend ist fast perfekt. Hätte auch noch nach einem Autogramm gefragt, aber erstens saß er nicht wir wir in der Loge, sondern weiter vorne auf den Billigplätzen (96 scheint seine Spieler ja nicht gerade finanziell unabhängig zu machen) und zweitens kamen sowieso irgendwelche Fans immer wieder an, machten Fotos und Fredi schrieb brav Autogramme. Da ließ ich ihn einfach in Ruhe. Aber zumindest kann ich jetzt sagen, dass ich mal mit Fredi im Kino war...:-)

Ach ja, der Film war auch super!

17.05.2003 Haben die denn gar kein Erbarmen?

Samstag. Das Wetter ist mies, die Stimmung bombig. Heute können die Roten den Klassenerhalt sicher. Und gegen wen? Gegen unseren Lieblings-Pokalfinale-Gegner aus dem schönen Gladbach. Und irgendwie glaubt keiner daran, dass es schief gehen könnte...

10.Minute, Freistoß. Wie auf Schalke ist es auch heute wieder Krupi, der das Ding in die Maschen zimmert und damit Tausenden Tränen der Freude entlockt. Halbzeit. Leverkusen führt 2:0 gegen 1860, aber das interessiert uns nicht mehr. Denn mit dem Abstieg haben wir seit der 10.Minute ja nichts mehr zu tun. Für die 6000 mitgereissten Gladbacher hat man nur ein müdes Lächeln übrig, denn die stecken jetzt richtig tief im Abstiegssumpf. Wiederanpfiff. Die Zeit rast. Eigentlich könnte Herr Krug das Spiel abpfeiffen. Ist ja eh gelaufen. Gladbach hatte bisher keine wirkliche Chance. Und obwohl Krupi zur Halbzeit verletzungsbedingt draussen blieb, gibt es hier niemanden, der sich Sogen macht. Doch dann wird man plötzlich wieder daran erinnert, dass man ja in Hannover ist, wo eine gute erste Halbzeit einen Scheiss bedeutet. 1:1. Boom! 1:2. Boom! Und plötzlich interessiert es uns doch, dass Leverkusen führt...

Das Spiel neigt sich dem Ende. Hannover ist verschreckt und läuft wie ein Hühnerhaufen planlos umher. Idrissou kommt! Leider kann uns der Stehgeiger auch nicht wirklich nach vorne treiben. Linke kommt! Linke? Abwehrchef Linke? Wollen wir hinten dicht machen? Blankes Entsetzen im Stadion. Alle denken zurück an die späten Gegentore vom Leverkusenspiel, vom Bayernspiel, von fast jedem Spiel. Alle wissen, dass 96 jetzt bei einer Niederlage am letzten Spieltag in Bielefeld aus der ersten Liga raus ist. Leverkusen ist damit gerettet, Gladbach gerettet. Nur Bielfeld und 96 machen den Trottel der Liga unter sich aus. Wie jeden Spieltag müssen wir auch diesmal wieder leiden und als getretene Hunde den Heimweg antreten. Wieder vergessen wir diese paar Minuten Glück und dieses Gefühl der Sicherheit.

Aber dann, zum Erstenmal in dieser Saison, schaffen es die roten Riesen auch einmal in der Schlussminute das eintscheidende Tor zu schiessen. Ein Tor, dass 3,1Mio EURO teuer, aber auch wert war. Jiri Stajner - der neue Fußballgott Hannovers! Und zum Erstenmal in dieser Saison können wir ohne Leiden zu einem Spiel fahren! Und so Leid es uns tut, Bielefeld, wir werden es genießen und Euch dahin schießen, wo Ihr hingehört: Bundesliga 2. Aber keine Angst, wir werden wohl auch bald wiederkommen, denn wir werden nächste Saison niemanden mehr haben, der uns mit seinen Toren vor dem Abstieg rettet. Denn den Weggang von Bobic zweifelt in Hannover wohl keiner an...

 Danke für alles, Fredi, und viel Glück bei Deiner weiteren Karriere.