August 2003

04.08.03 Ahnungslos und stolz darauf

Tja, wieder einmal haben die Roten eine Sensation geschafft. 3:0 im Nordderby gegen die Fischmarktkicker. Was was das für ein perfekter Tag!? Super Wetter, morgens um 9 Uhr schon das erste Blonde am Hals und nach einer erträglichen 6 Stunden-Fahrt dann ein tolles Spiel in diesem bombastischen Stadion...äh...Arena heisst das ja heute überall. Aber was war sonst noch die Woche?

Jetzt habe ich den Beweis, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe: Auf Anhieb bin ich sensationell auf Platz 4377 beim HAZ-ManagerCup eingestiegen. Aber ich roll das Feld jetzt van Hintum auf!

Auch erfreulich ist, dass beim Copa-Mundial der von mir gemanagte Verein “Presidente Hayes” in der paraguayanischen Liga endlich mal den Sprung von den so unwürdigen Abstiegsplätzen geschafft hat. Und ich Trottel habe zum Saisonbeginn im Forum angekündigt, dass ich der Meisterschaftsfavorit bin...

Aber kommen wir zu etwas anderem. Ich habe letzte Woche einen nicht gerade kurzen Leserbrief an die Sport-Bild geschickt, um mal meinen Frust über die einseitige Berichterstattung über angebliche Gewalttäter in den Stadien kund zu tun. Hintergrund war der Ausschluss einiger Fanclubs beim FCB, der zu Attacken gegen Herrn Hoeneß führte. Folgendes bekamen die Damen und Herren von mir zu lesen:

Sollten tatsächlich "Morddrohungen" und Ähnliches ausgesprochen worden sein, so ist dieses meiner Meinung nach nicht ernst zu nehmen, da es sich hierbei lediglich um Menschen handelt, die sich mit solchen Latrineneparolen etwas Aufmerksamkeit verschaffen möchten.

Schaffen es eine Handvoll Verwirrter tatsächlich, dass die Medien, die Funktionäre und die "normalen" Fans Angst vor den Spieltagen bekommen? Verbale Gewalt, wenn man es so nennen möchte, gibt es in den Stadien und im Umfeld seit Langem und es ist ein Art Ventil, dass man dem Fan nicht zudrehen kann. Man schreit "Tod und Hass" in Richtung Gegnerblock und beschimpft die Spieler (meist die gegnerischen) und Schiedsrichter auf das Übelste. Aber wie heisst es so schön: "Klappern gehört zum Handwerk!" Die sogenannte Ultra-Szene verschönert die Stadien und ist mir persönlich noch nicht negativ aufgefallen, im Gegensatz zu einigen ultra-vorlauten Vereinsbossen in den deutschen Profiligen.Sicher gibt es in jedem Fanclub auch Mitglieder, die einen Schritt weitergehen würden als nur Gesänge anzustimmen und Schilder hochzuhalten. Aber solche Typen können halt auch erst im Einzelfall bestraft werden, wenn sie tatsächlich etwas verbrochen haben und nicht mit einer Pauschallösung.

Die Vereine brauchen die Fans und ihre Gelder, genauso wie die Fans ohne ihre wöchentliche 90-Minuten-Zitter- Dosis nicht leben wollen. Das ist wie eine Zweier- Beziehung, da hat man sich mal nicht so dolle lieb und dann mal wieder mehr. Und wenn man die Beziehung aufrecht erhalten will, muss man eben mehr reden und Probleme bewältigen. Und wenn Münchens "Club Nr.12" 500 Mitglieder hat, dann müssen bei Bedarf eben 500 Gespräche geführt werden, um die bösen Buben rauszufiltern und die echten Fans nicht zu verärgern.

Gedruckt wurde in der aktuellen Ausgabe Folgendes (Ausgabe 31 - 30.07.2003):

Solche Morddrohungen sind nicht ernst zu nehmen. Die werden von Menschen geäussert, die sich mit Latrinenparolen etwas Aufmerksamkeit verschaffen wollen.

Und dafür sitze ich stundenlang da und quetsche das Letzte an Weisheit aus meinen Fingern? Na danke. Das war der beste Beitrag, den dieses Blatt je gesehen hat und die Kürzen wie nichts Gutes! Konsequenz wird nun sein, dass ich nur noch für den Kicker und die Bravo schreibe. Das habt Ihr nun davon...

Weiss hier eigentlich überhaupt einer meinen Sachverstand zu schätzen?